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2006-11-03

Anleitung: Wie man leicht reich wird


geschrieben hat das der Herr Jupp

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Systeme zur garantierten Mehrung des eigenen Einkommens gibt’s viele: von Aktien über alchimistische Labors bis hin zu ehrlicher Arbeit - und letztere bevorzugt der Neue Mann selbstverständlich, wenn es darum geht, sich den Margarineersatz auf die Brotabfälle zu verdienen. Dazu passt nun ganz wunderbar die Geschichte meines ausgeprochen wohlhabenden Großonkels Herbert, der leider viel zu früh von uns ging und nichts hinterließ außer einer horrenden Begräbnisrechnung. Aber ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, wie ich als etwas achtjähriger Jungmann in der Küche auf seinem Schoß saß und mich endlich zu fragen traute:

“Onkel Herbert, wie bist du eigentlich so reich geworden?”

Er griff mit der linken Hand in die Tasche seiner braunen Wollweste, holte etwas Tabak und ein Zigarettenpapier heraus und drehte sich einhändig eine “selbstgemachte Filterlose” - eine Demonstration von Geschicklichkeit und sozialer Nicht-Anpassung, die uns Kinder immer aufs neue schwer beeindruckte. Und ein Ritual, das jeder längeren Rede vorangehen musste, als eine Art Erinnerung an die vor-reichen Zeiten, wie er meinte.

“Weißt du Jupp, das ist eine komplizierte Geschichte. Es war 1932, im österreichischen Ständestaat. Die Wirtschaftsdepression machte sich überall breit, was du abends verdient hattest, war schon am nächsten Morgen nur mehr die Hälfte wert. Ich war pleite bis auf meine letzten fünf Groschen.

Mit diesen fünf Groschen kaufte ich mir morgens einen Apfel und verbrachte den ganzen Tag damit, ihn zu polieren. Am Abend schließlich konnte ich ihn für 20 Groschen verkaufen.

Am nächsten Morgen kaufte ich mir mit den 20 Groschen 2 Äpfel. Wieder polierte ich den ganzen Tag, und dann um sechs am Abend verkaufte ich beide für 50 Groschen. Ich setzte dieses System drei Monate lang fort - am Ende der neunzig Tage hatte ich einen Gewinn von 66 Groschen gemacht.

Dann starb der Vater meiner amerikanischen Frau und hinterließ uns 10 Millionen Dollar.



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