Wenn die Kleine Zeitung einen Wien-Regionalteil hätte, würd ich vielleicht auch eine Tageszeitung lesen – aber Boulevard-Blätter wie der Standard, lieblos befüllt mit 80% APA-Meldungen, vergällen ehrlich-treuen Medienkonsumenten nachhaltig den Printsektor. (Wer kam eigentlich auf die absurde Idee, dass Oskar Bronner eine Qualitätszeitung herausgibt – außer ihm selbst?) In der Kleinen vom 21. September etwa findet sich ein ebenso so schockierender wie aufklärender Bericht mit dem Titel Die Ehe an sich macht nicht glücklich. Zwei Highlights aus den 10 neuen Erkenntnissen über das Zusammenleben Mann vs. Frau sollen aus dem Keller der Druckerpresse ans Kunstlicht des Netzes gezerrt werden:
Der Mann an sich ist glücklicher, wenn er nie heiratet und an und zu seine Partnerin wechselt. Prominente Vorbilder: Autor Gabriel Barylli oder Tennis-Rentner Boris B. Männer sich nämlich angeblich besonders wohl, wenn sie serienmonogam leben und nie heiraten.
Dem kann der Neue Mann nicht widersprechen: Serienmonogamie und ehrliche Treue ergänzen sich wie Pech und Schwefel, um nicht zu sagen, sie bilden geradezu ein größeres Ganzes. Und dass der von Brüsten und knackigen Ärschen hilflos vor der sexuellen Revolution hergetriebene Ex-Macho gar keine Wahl hat, beweist eine andere Studie:
Eine Umfrage unter 2.000 Menschen ergab, dass der Durchschnittsmann täglich 16 Minuten am Tag Frauen hinterher schaut und in dieser Zeit acht Damen durch seinen Scanner laufen lässt. Hochgerechnet ist er damit ungefähr sechs Monate seines Lebens mit Spannen beschäftigt. Und Frauen? Gerade mal vier Wochen.
Dass die Ehe statistisch gesehen nicht glücklicher macht, ist ein alter Hut – überraschenderweise allerdings macht sie auch nicht deutlich unglücklicher. Da bleiben wir doch lieber bei der guten alten Serienmonogamie!
