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Das ehrlichste, treueste Geier-Liebesgedicht

Während alte Männer imagegemäß wochenlang an der EM klebten wie Schamhaare an alten Kaugummis an heißen Tagen, waren wir vom Arbeitskreis Neuer Mann äußerst kulturell tätig und haben das ehrlichst-treueste romantische Liebesgedicht des Jahres 2007 gekürt. Es stammt aus der Feder von jemand Geringerem als Höllenfried Fürchtegott und trägt den bezeichnenden Titel “Meine Liebe ist wie ein sterbender Geier (zu dir)”. Was die Jury bewogen hat, diesem epischen Werk den Vorzug geben, war in erster Linie der sehnsuchtsvolle Einsatz von Todesmetaphern, denn “nur aus unerfülltem Verlagen erwachsen ehrliche Romantik und Treue”, so der Autor in seinem Beipackzettel. An einem einschlägigen Sammelband mit dem Titel “Wie ein Geier – neue romantische Liebesgedichte” arbeitet die Redaktion derzeit noch.

Meine Liebe ist wie ein sterbender Geier (zu dir)

von Fürchtegott Höllenfried

Der Tapir erhebt in die Lüfte.
Sich fragend: nichts ob der Höhenangst.
Nicht sich erhebt er, sonder der Geier ihn.
In der Luft liegen Todesdüfte.

Ein zufällig angespitztes, gefrorenes Fäkalienpaket
aus einem Jetflugzeug über den beiden
durchschlägt des Geiers linke Seite samt Flügel.
Der Tapir in seinen Krallen weiß: Zu spät.

Verdächtigungen zermartern des Geiers Denken,
Reue ob der vergessenen Einkaufsliste.
“Schade um den schönen Tapir, der noch zuckt,
ihn mit Creme brulée zu füllen kann ich mir schenken.”

Momente werden zu Ewigkeiten, kurz vor der Detonation
durchzucken Geier und Tapir dieselben Gedanke:
werden wir diesmal dem Kreislauf des Karmas entkommen,
oder geht der Todesflug 303 über zur nächsten Version?

Meine Liebe ist wie dieser sterbende Geier,
der matt mit den Flügeln zuckt und dessen Krallen
den Tapir festhalten, der längst mit dem Leben abgeschlossen hat,
aber der Geierm, starr vor Angst, lässt ihn nicht fallen.